Die Gesundheit ist hier zukunftsfähig

 

Bad Nauheim ist eine Gesundheitsstadt. Ein Prädikat, das nicht nur auf dem Papier steht, sondern gelebt wird. Das wurde schon nach wenigen Äußerungen der Gesundheitsexperten klar. Es gibt eine ausgezeichnete Vernetzung aller Einrichtungen und der Kerckhoff-Klinik mit der Universität Gießen. Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie ziehen mit, und das Kulturleben hat einiges zu bieten. »Wer als Reha-Gast in Bad Nauheim ist, bekommt Besuch von Angehörigen. Die nehmen das Erlebnis Bad Nauheim mit nach Hause«, sagte Jochen Hahn, Geschäftsführer der Park-Klinik und einer der Experten, die das optische wie wirtschaftliche Umfeld für bedeutend halten.

 

Gesundheitsgeld fließt in Wirtschaft

Er und der Vorsitzende des Vereins Wirtschaft für Bad Nauheim, Günter Wagner, hatten die Idee zur Studie, die die Stadt und Marketinggesellschaft dankbar aufgegriffen haben und finanzierten. Anja Gauler und Professor Dr. Johannes Harsche von der Hessenagentur analysierten Statistiken und zogen Vergleiche mit anderen Hessischen Heilbädern. Das Ergebnis ist überzeugend: Bad Nauheim schneidet durchweg sehr gut ab.

112 Personen waren im Untersuchungszeitraum 2022 im Gesundheitswesen tätig, davon 87 Prozent in den Kernbereichen, also Krankenhäusern, Reha- und Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen. Daneben gibt es Dienstleistung, Apotheken, Wellness und mehr, die zusätzlich Arbeitskräfte anziehen. Der ökonomische Fußabdruck besagt, dass 0,38 Cent pro in der Gesundheitsbranche erwirtschaftete Euro in die heimische Wirtschaft fließen.

Als Trends macht die Studie den demografischen Wandel aus, Änderung der Lebensstile und Individualisierung, Gesundheitstourismus und unternehmerische Gesundheitsfürsorge. Dem stehen Kostendruck, Fachkräftemangel und Ambulantisierung als Herausforderungen gegenüber.

Wobei Corona gerade bei den Fachkräften, die in andere Branchen abgewandert sind, eine Lücke hinterlassen hat. Aber das Gesamtpaket stimmt. Es gibt ein klares Bekenntnis zur Stadt. Das wurde in der Studie sowie in der Befragung bei der Präsentation vor der lokalen Polit-Prominenz durch Fachbereichsleiter Matthias Wieliki und Tourismuschef Harald Hock deutlich.

»Ich würde am liebsten mit Herrn Lauterbach nach Bad Nauheim fahren und ihm zeigen, dass wir das, was er mit der Klinikreform vorhat, hier schon leben«, sagte Professor Dr. H. Ardeschir Ghofrani (Kerckhoff-Klinik) über die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitseinrichtungen und in der Forschung. Er riet dringend dazu, mehr Ärzte auszubilden. Der Stadt gab er mit, für alle Gehaltsgruppen passenden und bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, um Ortsbindung zu erreichen.

Fachkräftemangel in der Pflege

Dr. Dirk Fellermann, Geschäftsführer des GZW, sprach den Fachkräftemangel in der Pflege an. Zwar seien in der Ausbildung die Zahlen in den letzten Jahren von 55 auf 200 gestiegen, aber man komme nicht ohne die ausländischen Kolleginnen und Kollegen aus. Sorgen macht ihm die zunehmende finanzielle Belastung der Kliniken. Auch der Ambulantisierung müssten sich die Krankenhäuser stellen und dafür neue Strukturen bilden. »Nicht für jeden ist eine ambulante OP richtig. Deshalb ist die Kooperation, wie wir sie pflegen, so wichtig«, meinte Professor Dr. Gabor Szalay, Chirurg am Campus Peil. »Wir haben in den letzten Jahren von sechs auf 38 Mitarbeitende aufgestockt und arbeiten ohne Schicht- und Nachtdienst in zwei OPs. Ambulante OPs werden massiv ansteigen, und wir brauchen Nachwuchs. Dazu sind gute Rahmenbedingungen notwendig«, mahnte er.

Bürgermeister Klaus Kreß zog abschließend sein Fazit: »Gesundheit ist hier zukunftsfähig. Ich freue mich über das klare Bekenntnis. Ich erinnere aber auch daran, dass wir unsere Stadt investorenfreundlich und energieoffen gestalten müssen, damit ihre Strahlkraft bleibt.«

Eine Zusammenfassung dieser interessanten Studie ist als Broschüre bei der Stadt erhältlich.

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